Der erste Blick auf die Malerei Fabricius zeigt
unorthodoxe Materialien: Oft sieht man Papier oder Folie auf durch Ritzen
quellenden PU-; Schaum (ein Spritzschaum, der zur Abdichtung auf Baustellen
verwendet wird) gepresst oder Gips mit starken erdkrustenartig- en Brüchen.
Manchmal werden Kopien in die Bildkomposition einbezogen. Das Resultat sind
reliefartige, stark malerische Bilder. Besonders der PU-Schaum unter der zäh
welligen Papierschicht erlaubt Fabricius ein Arbeiten in die Tiefe des
Malgrundes so entstehen Krater, Schnitte und Spalten. Neben der Farbe setzt
Fabricius transparente Folien und Kopien, besonders vergrößerte Kopien, als
Mittel ein, um den malerischen Eindruck zu steigern. Die Kopien reduzieren zum
einen die Darstellung auf Schwarz und Weiß und zum anderen wird die Darstellung
besonders bei den Vergrößerungen immer undeutlicher. Ähnlich verhält es sich
mit den verschleiernden, transparenten Folien. Manchmal verschleiert Fabricius
auch Photos mit einer Art unreinem Kunstharz, das die Darstellung in der Tiefe
des Materials nur noch mystisch erahnen läßt.Die Bilderwelt Fabricius wird hauptsächlich
durch zwei Motive bestimmt: Kathedrale und Wolkenkratzer. Das Bild "Platz
der Kathedralen" zeigt, Das Kathedrale und Wolkenkratzer für dasselbe
Phänomen stehen, das Fabricius "Kathedrale" nennt.Denn dieser Begriff wird im Bildtitel im Plural
verwendet, auch während auf dem Bild nur "eine" stilisierte, einem Bischofshut ähnelnde, Kathedrale zu erkennen ist. Auf demselben Werk sind eine
Gruppe von Kuben dargestellt, die einer Gruppe von Wolkenkratzern ähneln.
Versteht man diese ebenfalls als "Kathedralen", wird der Plural im
Bildtitel verständlich. Es scheint, daß diese, in den Bildern Fabricius immer
wiederkehrende Zeichen, ein Phänomen visualisieren, das die Gedankenwelt des
Künstlers ’’ permanent umtreibt, das sich in den ’ Bildern nicht
erkennen aber erahnen läßt. Ohne interpretierend mich zu sehr
festzulegen, möchte ich dieses Phänomen "die funktioniert ;:
funktionierende Masse" nennen. Viele glauben darin das Drama unserer
modernen Welt widergespiegelt zu sehen. Fabricius aber scheint es als ein :
archaisches Phänomen zu begreifen, denn er stellt seine "Kathedralen"
auf einen krustigen Boden, der wie eine leuchtende "Erdscholle"
aussieht. Auf das geheimnisvoll archaische deuten auch die drei Gebilde, die
Baukränen ähneln. Gleichzeitig können sie auch als Kreuze gesehen werden.
Dann verwandelt sich die profan empfundene Erd- Scholle plötzlich zum
Kalvarienberg. Es scheint unwichtig, ob ein sakrales oder profanes, ein modernes
oder altes, ein spezielles oder allgemeines Phänomen thematisiert wird. Klaus
Fabricius’ Staunen über die Welt, das er in seinen Bildern ausdrückt geht
über diese Kategorien hinaus.