|
| |
nikolai
b. forstbauer,
anlässlich einer ausstellung 1986 in der "galerie im kornhaus",
ulm
Jeder
Text, so auch dieser, setzt ein sich nur scheinbar frei ergebendes, tatsächlich
aber weitestgehend vorbestimmtes, am zu behandelnden Gegenstand oder an
den zu besprechenden beziehungsweise anzusprechenden Personen orientiertes
Vokabular voraus. Gemeinhin erschließt sich dieses dem Leser im Laufe der
Auseinandersetzung mit dem Text - und weit schneller als der Autor
dies je zugeben würde, wird der Text nach eben diesem Vokabular und nach
eben solchen Rastern beurteilt. Ich möchte lieber gleich meine Karten auf
den Tisch legen oder besser: mein Vokabular bekannt geben. Natürlich
nicht ohne zu behaupten, diese Vorgehensweise hätte grundsätzlich und
unmißverständlich mit den Arbeiten Klaus
Fabricius zu tun. Was nichts anderes bedeuten kann, als
daß schon die Wahl des Vokabulars eine Positionsbestimmung - und damit
eine Behauptung ist.Das
Vokabular: Abstand - Analyse – Archiv - Begriff - Behauptung
- Beteiligte – Faktensicherung - Faktor - Feld der Kunst –
Film – Freunde – Gestik – Grund - Information - Kategorie – Kommentar - Kopie –
Konkret – Konstanten –
konstituieren – konstruieren - konstruktiv – Kontext – künstlerische
Äußerung – künstlerische Handlung - Landschaft – Material –
Muster - Ordnung - Orte - Ort der Kunst – Präsentation – Präzisierung
– Produktion - Prozeß – Rahmen - Rasterstruktur – Reflexion -
Regelhaftigkeit - Schnitt - Skepsis - Stilleben – Struktur – Stücke -
Systematik – Träger.Kunsthistoriker
und Kunstpublikum sind sich zumeist darin einig, daß die in der Literatur
des ausgehenden 19. Jahrhunderts, etwa von Wilhelm Raabe, beschriebene
”Zerscherbung” der Welt in der Bildenden Kunst am deutlichsten spürbar
war. Und welche Position jeweils auch vertreten wird, gehen wir doch davon
aus, daß sich die Reflexion des Zerscherbens fortsetzt und gerade
dies es so schwierig macht, die stets ersehnten Konstanten für künstlerische
Äußerungen zu benennen. Das
Zerscherben aber hat sozusagen Konkurrenz aus dem eigenen Lager bekommen -
nach den schwelgerischen Szenarien des 19. Jahrhunderts hat ja in unseren
Tagen auch eine viel ältere Übereinkunft wieder an Gewicht gewonnen, das
nämlich Kunstwerke Informationsträger träger sind. Die
Hoffnung, die damit verbunden ist, ist Strukturen zu schaffen, die es
erlauben, etwas vermeintlich Verlorenes wieder oder neu konstruieren,
beziehungsweise konstituieren zu können: Ordnung.Klaus
Fabricius zeigt Arbeiten, die auf Bildertradition und der Tradition ihrer
angeblichen Zerstörung sich berufen. Fabricius, 1956 geboren, ist es
nicht genug mit der Problematik einer Malerei nach der Malerei oder mit
dem Dialog von Figur und Grund. Einst zum Glas- und Porzellanmaler
ausgebildet bezieht er überdies dem Plastischen vorbehaltene Materialien,
vor allem einen als der Abdichtung dienender Spritzschaum, in die
Bildentwicklung ein. Die
Arbeiten von Fabricius geben freimütig zu, singuläre Findungen zu sein,
sie versuchen gar nicht erst, zu verbergen, da sie eine konstruierte
Aktionsfläche bespielen, sich in diese eingraben, sie zerritzen,
verwerfen.
|